Salomonische Dynastie

Salomonische Dynastie

1270 besiegte Yekuno Amlak den letzten Herrscher der Zagwe, die ihrerseits die Herrschaft Aksums beendet hatten, und bestieg als Negusä Nägäst ("König der Könige") den Thron. Er führte seinen Stammbaum auf Salomon zurück und sah sich damit in der Tradition der alten aksumitischen Königsdynastie, wenngleich die Hauptstadt des Reiches weiterhin in der heutigen Provinz Shewa, verblieb.

Der Herrschaftsanspruch der so genannten „Salomonischen Dynastie“ wurde mit der Übersetzung einer Legende historisch und religiös legitimiert. In dieser heute als Nationalepos Äthiopiens geltenden Geschichte, dem Kebrä Nägäst („Ruhm der Könige“), wird die Legende der Königin von Saba erzählt, die nach einem Besuch beim weisen Salomon im heiligen Land dessen Sohn Menelik (Menilek, abgeleitet von der Bezichnung Ibn al-Hakim, „Sohn des Weisen“) zur Welt bringt. Makeda, die Königin von Saba, herrschte über ein großes Reich, das sich von Südarabien bis nach Äthiopien erstreckte, und ihr Sohn, das Kind Salomons, wurde schließlich der erste König von Äthiopien. Als dieser ebenfalls seinen Vater in Jerusalem besuchte, brachte er heimlich die heilige Bundeslade mit nach Hause. Bundeslade heißt die Truhe, die die steinernen Gesetzestafeln enthält, die Gott Moses am Berg Sinai übergab, um damit den Bund mit dem Volk Israel zu begründen. Bis heute wird diese Bundeslade angeblich – vor aller Öffentlichkeit geschützt – in Aksum in der Kirche der Heiligen Maria von Zion aufbewahrt. Aksum gilt deshalb als heilige Stadt, als zweites Jerusalem, und wenn es auch der Salomonischen Dynastie nicht mehr als Regierungssitz diente, so blieb es doch die Stadt des Krönungszeremoniells.

Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts kam es aber auch vermehrt zu Kriegen mit vordringenden islamischen Völkern, aus denen Äthiopien zunächst siegreich hervorging. 1529 wurde es jedoch von Ahmed Ibn Ibrahim al-Ghazi besiegt und besetzt. Die Folge war ein dreißigjähriger Krieg. Ahmed Grañ („der Linkshänder“), wie al-Ghazi von den Äthiopiern genannt wurde, behielt die Oberhand bis er 1543 fiel, nachdem die Portugiesen Äthiopien zu Hilfe gekommen waren.

Der junge Jesuitische Orden in Portugal war im Zuge der katholischen Missionsversuche auf Äthiopien aufmerksam geworden und sendete ab den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts Geistliche ins Land. Unterstützt wurde dieses Vorhaben von Rom, das den jesuitischen Missionaren zur Vorbereitung einen Unterricht in äthiopischer Sprache und Kultur ermöglichte. Der Widerstand der orthodoxen Kirche in Äthiopien zeigte sich abermals durch das Verfassen und Verbreiten einer Fülle von religiöser Literatur, Glaubensbekenntnissen und Verteidigungstexten der Orthodoxie, war insgesamt aber halbherzig, weil das Land geschwächt, immer noch im Krieg gegen den islamischen Feind und voller sozialer Widersprüche war. Der Ausdruck Frang, mit dem insbesondere die portugiesischen Missionare bezeichnet wurden, geht auf das Frankenreich zurück und bezeichnet aus der Sicht orientalischer Christen die Vertreter des römisch-katholischen Glaubens.

Im Jahr 1607 wurde Susneyos Kaiser. Die orthodoxen Würdenträger Äthiopiens waren mit seiner Thronfolge aber nicht einverstanden, was es dem Herrscher umso mehr erschwerte für Frieden im Land zu sorgen. In dieser schwierigen Situation fand er Unterstützung bei den Jesuiten, und er ließ sich im Jahr 1621 von Pedro Páez katholisch taufen. 1628 wurde der Jesuit Alfonso Mendez Patriarch von Äthiopien, und er bewegte Susneyos dazu, das katholische Christentum zur Staatsreligion zu machen. Diese Entscheidung und die nachfolgenden Ereignisse sind maßgeblich für die Lebensgeschichte Zär'a Yaqobs. Entgegen allen Widerständen und ohne jede Behutsamkeit ersetzte Mendez in der Folge dieses Edikts die orthodoxen Heiligen durch katholische, forderte eine katholische Taufe aller Christen und die Neubestellung aller religiösen Würdenträger, und er räumte radikal mit den orthodoxen Bräuchen und äthiopischen Traditionen auf.  Dieses Vorgehen führte zu Aufständen und schweren Kämpfen, sodass Susneyos 1632 abdankte und seinem Sohn Fasilidäs den Thron überließ. Als dieser die Regierung übernahm (1632- 1667), gründete er die Stadt Gondär und verlegte den Regierungssitz dorthin. Er erklärte schließlich den orthodoxen Glauben wieder zur Staatsreligion und verbündete sich zur Vorbeugung gegen katholische Vergeltungsmaßnahmen mit seinen islamischen Nachbarn. Über Fasilidäs’ Regierungszeit berichten verschiedene Quellen, dass er seine Macht sehr willkürlich ausübte, sehr unnachgiebig und gnadenlos war und dass er mehrere Frauen hatte, obwohl ihm der orthodoxe Glaube nur eine einzige erlaubt hätte. Zu seiner Regierungszeit war auch der Hass auf die Jesuiten noch frisch und sehr groß, und es setzte eine Welle der Verfolgung gegen sie ein. Unter Kaiser Yohanis (1667 – 1682), dem Nachfolger Fasilidäs’, wurden schließlich alle Katholiken gezwungen, entweder zum orthodoxen Glauben überzutreten oder das Land zu verlassen.

* * * Frysak, V. & Gutema, B. (Hg.): Zär'a Yaqob. Eine äthiopische Weltanschauung, Wien 2008 * * *

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