Inka

Inka

Inka bedeutet soviel wie “Herr” oder „Gebieter“ und bezeichnet zunächst den Herrscher von Tahuantinsuyu, den Sohn der Sonne. Dem Namen vorangestellte bedeutet der Begriff „Monarch“ oder „Souverän“.  Wenn er als Anrede verwendet wurde, wurde ihm meist noch ein Attribut hinzugefügt: z.B. Sapa (alleiniger) Inca oder Kapac (mächtiger) Inca.

Inka ist im Weiteren die Bezeichnung für alle männlichen erwachsenen Mitglieder der Familie des Inkas, mit der eine besondere Würde verbunden war. Der Inka war ein Nachkomme des Sonnengottes. Die verwandtschaftliche Zugehörigkeit durch beide Eltern war das alleinig Ausschlag gebende Kriterium. Die Inkas genossen besondere Privilegien in ihrem Staat und hatten die höchsten Ämter in der Verwaltung und in den religiösen Diensten inne.

Zum Inka konnte man auch ernannt werden, wenn man sich um den Inka verdient gemacht hatte. Das war eine besondere Ehre und ein solch ernannter Inka war mit speziellen Rechten ausgestattet. Dieselben Privilegien wie ein Inka von Geburt konnte er aber nicht in Anspruch nehmen und seine Inkawürde dehnte sich auch nicht auf die Familie aus.
Schließlich ist es in der heutigen Umgangssprache so, dass mit „den Inkas“ immer das ganze Volk von Tahuantinsuyu gemeint ist, das sich aus vielen verschiedenen Indianervölkern und -stämmen zusammensetzte. Richtiger könnte man vielleicht von den Kechuas reden, da die Kechua-Sprache das Verbindende der so unterschiedlichen Indianervölker war, die im Reich der Inkas lebten.

Der Inka war Herrscher und höchste Autorität im Staat. Die Regierungsarbeit wurde von einer Versammlung von Vertretern der vier Regionen geleistet. Die Mitglieder der Versammlung hatten ihrerseits wiederum Vertreter, die die Einhaltung der Gesetze überwachten. Diese reisten durch die Dörfer mit dem Ziel, alle Aktivitäten zu überprüfen und zu kontrollieren, ob die Gesetze eingehalten wurden oder ob eine Notwendigkeit für Instandhaltungsarbeiten oder den Neubau von Infrastruktur bestand. Die Aufgabe der Vertreter war es auch, in Notsituationen Hilfsgüter zu verteilen und so das Wohlergehen der Bevölkerung zu sichern. Der Inka war über alle Vorgehen in seinem Reich informiert.

Starb der Inka, so hatte ihn die Sonne nach Hause gerufen. Ihm folgten viele seiner Frauen und seiner Diener in den Tod nach. Diese Art der Menschenopfer scheint freiwillig erfolgt zu sein. Die Trauer im Volk währte ein Jahr und wurde mit Prozessionen, Trauergesängen und Klageliedern gefeiert. Das Zimmer des Inka sowohl in seinem Palast in Kusko als auch in allen Palästen seines Reiches, in denen er jemals eine Nacht verbracht hatte, wurde mit sämtlichen Gerätschaften und Gebrauchsgegenständen für immer versperrt. Die Eingeweide wurden aus dem Körper genommen und nach Ollantaitambo gebracht. Diese Befestigung war zirka 12 Leguas (1 Legua entspricht ca. 5,5 km) von Kusko entfernt und aufgrund ihrer natürlichen Lage nahezu uneinnehmbar. Innerhalb dieser Befestigung gab es einen Palast und einen Sonnentempel, in dem die Eingeweide der verstorbenen Inkas aufbewahrt wurden. Der Leichnam des Inkas wurde mittels eines Verfahrens einbalsamiert, wodurch Körperfülle und Gesichtszüge so erhalten werden konnten, dass der Inka lebendig schien. Die Mumien wurden in sitzender Stellung, die Hände auf der Brust gekreuzt mit niedergeschlagenen Augen auf einem niedrigen goldenen Sessel im Sonnentempel in Kusko zu beiden Seiten des Bildes der Sonne platziert. Die Koyas wurden auf die gleiche Weise im Sonnentempel, allerdings im ganz in Silber gehaltenen Zimmer des Mondes, Quilla, bestattet. Dem Bildnis des Mondes vis-a-vis saß die Mutter Huaina Kapacs.

Coya ist der Titel der Gattin des Inkas sowie ihrer verheirateten Töchter. Ñusta ist der Titel der unverheirateten Inkatöchter und seiner anderen weiblichen Verwandten. Tahuantinsuyu wurde von 13 Inkas regiert, die jeweils mit ihrer ältesten Schwester oder einer anderen engen Verwandten verheiratet waren:

ca. 1200 Manco Capac und Mama Ocllo
ab 1230 Sinchi Roca und Mama Coca
ab 1260 Lloque Yupanqui und Mama Caua
  Mayta Capac und Mama Tucucaray
  Capac Yupanqui und Curihipsy
ca. 1350 Inca Roca und Mama Micay
Die Chanca-Kriege sind ein blutiges Kapitel in der Geschichte des Inkareiches. Die Chancas waren ein Volk, das in der Gegend der heutigen Provinz Andahuailas lebte. Unter Inka Roca wurden die Chancas unterworfen, unternahmen danach aber immer wieder Aufstände gegen ihre Beherrscher. Erst Inka Huiracocha gelang der endgültige Sieg über die Chancas in der Schlacht von Yahuarpampa. In diesem Krieg entthronte er seinen Vater, der aus Kusko geflohen war.
ca. 1380 Yahuar Huacac und Mama Chicya
ab 1410 Huiracocha Inca und Mama Rondocaya
Zu dieser Zeit hatte das Reich seine größte Ausdehnung und war auf seinem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt. Seine Hauptstadt Kusko war vollends ausgebaut und eine prosperierende Stadt.
ab 1438 Pachacutec und Mama Anahuarka
ab 1471 Tupac Yupanqui und Mama Ocllo II
ab 1493 Huayna Capac und Arauna Ocllo
ab 1529 Huáscar und Chucuy Huypa
mit Atahualpa
Huáscar und Atahualpa waren Halbbrüder und Söhne des Inka Huayna Capac. Huáscar war ein eheliches Kind, Atahualpas Mutter war nicht von Inkablut. Letzterem hätte aus diesem Grund die Inkawürde nicht zukommen können, sein Vater verfügte aber ihm zuliebe die Teilung des Reiches und setzte sowohl Huáscar (in Kusko für den nördlichen Teil des Reiches) als auch Atahualpa (in Cajamarca für den südlichen Teil) als Inkas ein. Nach dem Tod des Vaters entbrannte ein Streit zwischen den Brüdern, der zu einem Bürgerkrieg führte, in dem Atahualpa seinen Bruder besiegte und hinrichten ließ. Atahualpa wurde so im Jahr 1532 der letzte Inka eines stark geschwächten Reiches, in das im selben Jahr die spanischen Eroberer eindrangen. Atahualpa wurde von den Spaniern gefangen genommen und versuchte seine Freiheit mit einem „Zimmer voller Gold“ zu erkaufen. Er übergab einen großen Teil der inkaischen Goldschätze aus den Tempeln und Palästen an die Eroberer und wurde 1533 dennoch hingerichtet.

 

 * * * Dietrich-Ortega, L. & Frysak, V. (Hg.): Ollanta. Ein Inka-Schauspiel, Wien 2007 * * *

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