Inti

Inti

Der Sonnengott Inti ist der Stammvater der Inkas. Die göttliche Verehrung der Sonne hat ihren Ursprung wahrscheinlich in den wärmenden Strahlen, die in den kalten Bergregionen Tahuantinsuyus nicht nur eine besondere Wohltat, sondern eine Überlebensnotwendigkeit waren. Intis Frau und stetige Begleiterin ist Mama Quilla, die Mondgöttin.

Gegenstand der Verehrung waren außerdem Chasca, der Morgen- und Abendstern, Kuichi, der Regenbogen oder Illapa, Blitz und Donner bzw. das Gewitter oder der Regen. Auch viele andere Naturerscheinungen, wie etwa Felsen mit menschlichen Formen, wurden für heilig gehalten.Der Sonne wurden an Festtagen Brandopfer dargebracht: Tiere (Lamas, Kaninchen, Vögel), leblose Dinge (Fett, Körner, Früchte, Kräuter, Aka – ein gegorenes Getränk aus Mais) und fallweise auch menschliches Blut (zu dessen Gewinnung niemand sterben musste). Menschenopfer hat es im Sonnendienst nicht gegeben.

Auch die Arbeit in der Landwirtschaft geschah im Einklang mit dem Sonnenkult. Die Zeit wurde in Mondphasen gemessen, das Jahr war in 12 Monde geteilt. Die Jahreszeiten wurden durch die Sonne bestimmt und zu ihrem Wechsel fanden Feste statt. Es gab das Saatfest (Cusqui-Raimi) und das Fest der Reinigung (Situa-Raimi). Das größte Fest wurde jedoch zur Wintersonnenwende (21. Juni) gefeiert.

Dieser Tag wurde von den Inkas als Tag der „festgebundenen Sonne“ (Inti huatana) bezeichnet. Zur Errechnung des Datums gab es Sonnenwarten, die ebenso genannt wurden. Sie bestanden aus jeweils einer ebenen Platte mit einer kurzen konischen Säule in der Mitte. Durch die Beobachtung der Wanderbewegung des Schattens dieser Säule auf der Platte konnte die Mittagslinie errechnet und der Zeitpunkt des Stillstandes der Sonne abgelesen werden.

Inti-Raimi, das Sonnwendfest wurde an den neun (andere Quellen sprechen von drei) der Wintersonnenwende folgenden Tagen gefeiert. Zu diesem Fest kamen Abgesandte aus allen Provinzen in die Hauptstadt. Drei Tage vor dem Fest wurde streng gefastet. Am Morgen des Inti-Raimi versammelten sich die erwachsenen Männer der Inkafamilie noch vor Sonnenaufgang hockend auf dem Hauptplatz von Kusko. Der Inka war der erste, der sich erhob, sobald die ersten Sonnenstrahlen der neuen Sonne zu sehen waren, um ihr Aka (ein gegorenes Getränk aus Mais) zu opfern. Dann fand im Tempel eine Zeremonie zu Ehren Intis statt und in der Folge wurden Opfer gebracht. Das erste Opfertier war stets ein schwarzes Lama-Lamm. Die Opferteile der Tiere wurden mit einem neuen Feuer verbrannt, das zuvor aus der Bündelung der Strahlen der neuen Sonne gewonnen worden war. Dieses Feuer wurde als unmittelbare Gabe der Sonne verehrt und ein ganzes Jahr im Haus der Sonnenjungfrauen gehütet. Nach der Opferung wurde das Fleisch der Opfertiere verzehrt und das Fest ging schließlich in ein Trinkgelage mit Tänzen, Gesängen und Festspielen über.

Die Vorbereitung der religiösen Zeremonie erfolgte durch die Ajllas, die Jungfrauen der Sonne. Sie lebten im Ajllahuasi (Haus der Sonnenjungfrauen) in Kusko, dessen Räumlichkeiten, wie alle anderen Inti geweihten Stätten, prunkvoll mit Gold ausgestattet waren.  
Im Alter von zirka acht Jahren wurden die schönsten Mädchen aus der Familie des Inkas ausgesucht, um als Gattinnen Intis in strengster Abgeschiedenheit im Haus der Sonnenjungfrauen zu leben. Die Ajllas wurden deshalb auch die „Erwählten Jungfrauen“ genannt.

 * * * Dietrich-Ortega, L. & Frysak, V. (Hg.): Ollanta. Ein Inka-Schauspiel, Wien 2007 * * *

Bookmark the permalink.

Comments are closed.