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Aksum

Aksum

Äthiopien gilt als die Wiege der Menschheit. Die ältesten Überreste menschlicher Vorfahren wurden im Nordosten Äthiopiens in der Region Afar gefunden und entsprechend benannt: Australopithecus afarensis. Das Skelett ist weiblich und hat ein  Alter von ca. 3,5 Mio. Jahre alt. Bei uns wurde diese Vorfahrin als Lucy bekannt, in ihrer Heimat trägt sie den Namen Dinkinäsh („du bist wunderbar“).

Mit dem griechischen Wort Aithiopes („verbrannte Gesichter“) wurden die Einwohner der gesamte Gegend südlich Ägyptens (Nubien) bezeichnet. Die griechische Sprache war in Äthiopien durch die griechischen Siedlungen aus ptolemäischer Zeit (ca. 3. bis 1. Jhdt. v. u. Z.) verbreitet. Die von der südarabischen Halbinsel einwandernden Sabäer hatten für die Gegend des äthiopischen Hochlandes einen anderen Namen: Habesch, woraus sich die Bezeichnung „Abessinien“ ableitet. Der südarabische Einfluss auf Äthiopien lässt sich schon aus der Zeit zwischen 800 und 300 v. u. Z. nachweisen. Aus der Geschichte des Königreiches D’mt, das sich zu dieser Zeit über das heutige Nordäthiopien und Eritrea erstreckte, sind Inschriften in Sabäisch und einer äthiosemitischen Sprache, einem Vorläufer von Ge’ez, erhalten.

Um die Zeitenwende entstand im nördlichen Hochland das Königreich Aksum, das einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg durch seinen Handel mit dem Römischen Imperium, mit Persien, mit Ägypten, Arabien und Indien verzeichnete. Die Stadt prosperierte und ihre Regenten ließen prunkvolle Bauten errichten. Bekannt wurde Aksum durch die dort errichteten Stelen, die eine Höhe von bis zu 33 m gehabt haben. Die größte heute noch aufrecht stehende Stele ist 21 m hoch. 

Die Ära der größten Blüte und Ausdehnung des aksumitischen Reiches war das 4. Jahrhundert u. Z. In diese Zeit fiel die Regierung König Ezanas, der ca. 350 zum Christentum übertrat. Diese Religion der byzantinischen Kaufleute dürfte dem aksumitischen König auch in ökonomischer und politischer Hinsicht als ideologisches Vorbild gedient haben. Er erhob das Christentum zur Staatsreligion und die große Zahl der bis dahin in Äthiopien lebenden Juden wurde schnell und auch mit Gewalt christianisiert oder vertrieben. Der heilige Frumentius (Fremenatos) war einer der Erzieher König Ezanas gewesen und wurde als Abba Sälama („Vater des Friedens“) durch den koptischen Patriarchen von Alexandria zum ersten Bischof von Äthiopien geweiht. In diese Zeit fällt auch die erste Übersetzung der Bibel in die äthiopische Sprache Ge’ez.

Aus dem Urchristentum, das sich selbst noch als Teil des Judentums verstanden hatte, waren schon im ersten Jahrhundert u. Z. mehrere Kirchen entstanden. Als Gründer der koptischen Kirche gilt der Evangelist Markus, der in Ägypten lebte und im Jahr 68 in Alexandria starb. Das Wort Kopte kommt vom Arabischen qubti und bedeutet „Ägypter“. Zur Zeit der Christianisierung Äthiopiens waren trotz der weitläufigen Handelverbindungen seine religiösen Beziehungen zum alexandrinischen Patriarchat stärker ausgeprägt als zu den anderen orientalischen Kirchen oder gar zu Byzanz oder Rom.

Im 6. Jahrhundert begründeten syrische Mönche, die sogenannten „Neun Heiligen“, das Mönchtum in Äthiopien. Sie gründeten viele Klöster im Land und es wird ihnen verschiedentlich die Übersetzung der Evangelien in Ge’ez nachgesagt. Zur selben Zeit lebte auch der heilige Yared, um dessen Weisheit sich einige Legenden ranken. Er war ein gelehrter und religiöser Mann, der sich bleibend um die äthiopische Kirchenmusik (Zema) verdient machte und als ihr Begründer gilt. Er schrieb Hymnen und Gesänge, die noch heute gesungen werden, er erfand eine Notenschrift und er führte Instrumente (Rassel, Trommel) in die Kirchenmusik ein, die immer noch Bestandteil derselben sind.

1270 setzte Yekuno Amlak nach vier Jahrhunderten Herrschaft der Zagwe mit einem militärischen Sieg die Salomonische Dynastie fort. Aksum, die Stadt, die der Legende nach die Bundeslade beherbergt, galt als heilige Stadt. Sie diente zwar nicht mehr als Regierungssitz diente, blieb aber die Stadt des Krönungszeremoniells.

* * * Frysak, V. & Gutema, B. (Hg.): Zär'a Yaqob. Eine äthiopische Weltanschauung, Wien 2008 * * *