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Ibn Ruschd

Ibn Ruschd

Ibn Ruschd  (lateinisiert: Averroës) wurde 1126 in Córdoba geboren und starb 1198 im Exil in Marrakesch. Er stammte aus einer Juristenfamilie, studierte Recht, Medizin und Philosophie und war Richter in Cordoba. Über Vermittlung Ibn Tufails wurde er dem Kalifen Abu Yusuf vorgestellt und verfasste in dessen Auftrag einen exegetischen Kommentar zu Aristoteles. Diese gründliche Arbeit brachte ihm das spätere Lob der christlichen Scholastiker ein, die Ibn Ruschd als „den Kommentator“ bezeichnete.

In seine eigene Lehre übernahm Ibn Ruschd wie seine philosophischen Vorgänger unter anderem die von Aristoteles ausgebaute Theorie von den vier Elementen: Erde, Feuer, Wasser und Luft, als die Grundstoffe der Materie. Alle Körper der Welt bestanden in ihrem Inneren aus verschiedenen Anteilen von zwei oder mehreren der vier Elemente. Aristoteles hatte ihnen die Eigenschaften warm, kalt, trocken und feucht zugeordnet und darüber hinaus ein fünftes Element, die Quintessenz, hinzugefügt. Dieses Element, der Äther, war von grundsätzlich andersartiger Natur und von absoluter Einfachheit. Er war weder warm noch kalt, weder trocken noch feucht und konnte auch keine dieser Eigenschaften annehmen. 

Ibn Ruschd verfasste mit dem Titel tahafut at-tahafut ("Inkohärenz der Inkohärenz") eine sehr konkrete, detaillierte und scharfe Entgegnung auf das Buch tahafut al-falasifa ("Inkohärenz der Philosophen") des al-Ghazali. Er zitierte dessen Text fast komplett und kommentierte ihn Abschnitt für Abschnitt kritisch. Mit diesen beiden Schriften ist eine detaillierte Diskussion zum Problem der Ewigkeit der Welt schriftlich erhalten. Es geht dabei aus Ibn Ruschds Text nicht eindeutig hervor, dass er die Ewigkeit der Welt beweisen wollte, vielmehr scheint es so zu sein, dass Ibn Ruschd die Vertretbarkeit des philosophischen Standpunktes, also die rationalen Welterklärung, rehabilitieren wollte.

Darüber hinaus hielt er Religion aus gesellschaftlich-moralischen Zwecken für notwendig, weil sie den Menschen mit ungeschultem Verstand, denen die wissenschaftliche Betrachtungsweise nicht zugänglich war, als Richtschnur diente. Er sah die grundsätzlichen Ziele von Religion und Philosophie als dieselben an. In tahafut at-tahafut beharrte er auf der strikten Trennung beider Disziplinen, weil sie für ihn verschiede Methoden darstellten, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten.  

Im Streit mit muslimischen Traditionalisten wurde Ibn Ruschd 1195 verbannt, seine Lehre verboten und seine Schriften verbrannt. Der Kalif Abu Yusuf, in dessen Diensten Ibn Ruschd stand, hob das Urteil zwei Jahre später, kurz vor dem Tod Ibn Ruschds wieder auf. Seine Lehren fanden unter seinem lateinisierten Namen bis in die Frührenaissance Fortführung durch die christliche Scholastik und im jüdischen Averroismus.

* * * Ibn Tufail: Hayy Ibn Yaqdhan. Ein muslimischer Inselroman; Wien 2007 * * *