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Zär’a Yaqob

Zär'a Yaqob

Von Zär’a Yaqob und seinem Schüler Waldä Heywat wissen wir kaum mehr, als sie selbst über sich erzählen:

Zär’a Yaqob wurde am 28. August 1600 (25. Nähase 1592) als Kind einer Familie von Bauern in der Gegend von Aksum geboren. Sein Rufname war Warqyä („mein Gold“). Aufgrund seiner Gelehrsamkeit in der Grundschule durfte er auch den Unterricht der Zema Bet besuchen, wechselte von dort aber rasch zu einer Ausbildung in die Q’ne Bet.

Die Geschichte Äthiopiens zur Lebenszeit Zär’a Yaqobs deckt sich mit dem, was er 68jährig auf die Bitte seines Schülers Waldä Heywat hin aufschrieb. Die Intention des Buches war allerdings nicht die einer politischen Chronik, sondern die des Festhaltens von Erkenntnissen. Als Gelehrter mit Q’ne-Ausbildung konnte Zär’a Yaqob nicht nur schreiben (Ge’ez war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Konversations-, wohl aber Schriftsprache), sondern er hatte auch eine Schulung seines kritischen Verstandes erfahren. Dazu kamen das Schicksal seiner eigenen Denunziation, Flucht und Einsamkeit, die sein Sinnen über die Welt beeinflussten und ihn zu ethischen und metaphysischen Reflexionen brachten, in deren Mittelpunkt die menschliche Vernunft stand.

„Seine Ideen heben sich vom Rahmen seiner Zeit wohltuend ab. Das wird sowohl in der Auffassung deutlich, daß Mann und Frau in der Ehe gleichberechtigt sind, als auch in seinem universellen Postulat der Gleichheit der Völker dieser Erde.“ (Hopfmann, Jürgen: Altäthiopische Volksweisheiten im historischen Gewand; Frankfurt/Main, 1992)

„Zar’a Jacob gehört keiner bestimmten philosophischen Schule an, er begründet auch keine, wenngleich er einen unmittelbaren Schüler, Walda Heiwat, hat, der ebenfalls eine philosophische Abhandlung verfasst. Es gibt jedoch so etwas wie eine geistige Verwandtschaft mit der neuzeitlichen europäischen Philosophie, die ihm vermutlich nicht bewusst ist.“ (Krause, Andrej: „Spezielle Metaphysik in der Untersuchung des Zar’a Jacob (1599 – 1692)“ in: Archiv für Geschichte der Philosophie, Wolfgang Bartuschat und Christoph Horn (Hg.), Sonderdruck, Berlin, 2003, S 332f)

Waldä Heywat, genannt Metku („Ersatz“), ist der Name des jüngsten Sohnes von Habtä-Egzi’abeher. Dieser war ein reicher Mann aus Enferaz, in dessen Dienste Zär’a Yaqob trat. Er wurde in den ersten Jahren nach dem Tod Kaiser Susneyos’ als Schreiber und Lehrer der beiden jüngeren Söhne engagiert, was sich auf etwa 1634 datieren lässt, die beiden Kinder müssen zu diesem Zeitpunkt zwischen 6 und 8 Jahren alt gewesen sein.

Waldä Heywat lässt uns wissen, dass er von da an bis zum Tod Zär’a Yaqobs von diesem lernte. Zär’a Yaqob starb 1693/94 in Enferaz. Das teilt uns Waldä Heywat im letzten Kapitel des Buches von Zär’a Yaqob mit und er berichtet, dass er selbst zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Information bereits ein hohes Alter erreicht und ein eigenes Buch verfasst hat. Auf der Grundlage dieses Hinweises forschte Giusto d’Urbino, in dessen Hände der Text Zär’a Yaqobs im 19. Jahrhundert gelangt war, nach diesem weiteren Buch.

„Während in der Schrift Zar’a-Jacobs alles ursprünglich ist und seine Gedanken naiv aus einer ungewöhnlichen Begabung fließen, fühlen wir in Walda-Heiwat sofort den Epigonen. Er […] tritt die Gedanke breit und moralisiert ziemlich stark.“ (Littmann, Enno: Zar’a-Jacob. Ein einsamer Denker in Abessinien, Berlin, 1916, S IV)

„Es muß aber bei der Wertung der Leistung des Wäldä Heywat beachtet werden, daß er zu diesen Lösungen von einem anderen sozialen Standpunkt kam, und daß sich sein Standpunkt immer dann von dem seines Lehrers unterscheidet, wenn die Verschiedenheit ihrer gesellschaftlichen Positionen wesentlich wird.“ (Hopfmann, Jürgen: Altäthiopische Volksweisheiten im historischen Gewand; Frankfurt/Main, 1992, S 189)

* * * Frysak, V. & Gutema, B. (Hg.): Zär'a Yaqob. Eine äthiopische Weltanschauung, Wien 2008 * * *