Ollanta

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  Ollanta
Ein Inka-Schauspiel
  ISBN
978-3-902591-00-5
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Ollanta ist ein Männername der Quechua-Sprache. Ollanta ist darüber hinaus der Titel eines überlieferten quechuasprachigen Schauspiels, das von einem Protagonisten namens Ollanta handelt und das fallweise auch mit "(Apu) Ollantay" oder "Ollantaï" angegeben wird:


Inhaltsverzeichnis

Der Hintergrund der Überlieferung

Der Text geht auf eine mündliche Überlieferung zurück und ist eine der wenigen wahrscheinlich authentischen Hinterlassenschaften der Inka-Dichtung. Seine erste schriftliche Aufzeichnung wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Quechua, der indigenen Sprache, verfasst.
Der Ursprung der Geschichte vor ihrer ersten Aufzeichnung wird im Dunkeln bleiben. Viele der mit dem Text befassten Forscher sind sich jedoch darüber einig, dass dieses Stück "an die Tradition anschließt", dass es "als im Grunde zusammengesetzt aus Stücken von unbestrittenem altem Ursprung" sei. Es wird auch für einen "reinerhaltenen Überrest der alten Inka-Litteratur" gehalten und auf die Epoche "der größten Entwicklung des Inka-Reichs, aus der Regierungszeit des Inka Huaina Kapac" datiert (Zitate aus: Middendorf, Ernst Wilhelm: Die einheimischen Sprachen Perus, 3. Band; Leipzig, 1890).

Die Inspiration zu einer Neuauflage des Dramas in Versen im Jahr 2007 geht auf die metrische Bearbeitung des Stoffes durch Albrecht Wickenburg im Jahr 1876 zurück. Seine an manchen Stellen recht freie Dichtung sowie ihre Vorlage erforderten allerdings eine gründliche Überarbeitung. Eine große Hilfe dabei war die Übersetzung E. W. Middendorfs von 1890 genauso wie die gedruckten Abschriften der Originalversionen in Quechua und ihre Übersetzungen mitsamt den entsprechenden Kommentaren von C. R. Markham, G. Pacheco Zegarra und R. Rojas. Jüngere wissenschaftliche Erkenntnisse sind der Neugestaltung ebenfalls zugute gekommen.
Der Inhalt des Dramas ist in seiner vollen Länge und originalen Reihenfolge wiedergegeben.

Das Schauspiel

Orte der Handlung

  • Palast des Inkas
  • Haus der Coya
  • vor dem Sonnentempel
  • Haus der Sonnenjungfrauen: Hof, Garten und Kerker
  • Haus Ollantas
  • Ollantaitambo, eine Festung in unweit von Kusko
  • im Lager
  • eine einsame Gegend in der Nähe des Lagers

Personen

Inka Pachacutek – der alte Inka
Coya Anahuarka – seine Frau
Inka Tupak Yupanqui – der neue Inka, Sohn Pachacuteks
Ollanta – ein Provinzstatthalter
Piqui Chaqui – Diener Ollantas
Rumin-Ñahui – ein anderer Provinzstatthalter, Gegenspieler Ollantas
Cusi Koyllur – Tochter von Pachacutek und Anahuarka, Geliebte Ollantas
Ima Sumak – das uneheliche Kind von Ollanta und Cusi Koyllur
Nebenrollen: der Oberpriester, Gefolgsleute, eine Sonnenjungfrau, eine Matrone, Boten, Diener, Volk, ein Knabenchor, ein Mädchenchor

Inhalt

1. Akt:
Aus einem Gespräch von Ollanta mit seinem Diener erfahren wir vom heimlichen Verhältnis Ollantas zur Inkatocher Cusi Koyllur.
Beim Zusammentreffen mit dem Oberpriester verheißt dieser ihm nichts Gutes.
Cusi Koyllur glaubt sich indessen von Ollanta vergessen und weint sich bei ihrer Mutter aus. Der Vater ahnt nichts.
Ollanta beschließt, reinen Tisch zu machen und den Inka um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der Inka ist brüskiert und jagt Ollanta fort.
Ollanta schwört Rache.

2. Akt:
Ollanta erfährt, dass Cusi Koyllur verschwunden ist, und zieht sich daraufhin nach Ollantaitambo, eine Festung in seiner Heimat Antisuyu, zurück. Dort wiegelt er das Volk gegen den Inka auf und wird von der Bevölkerung zum neuen Inka ausgerufen.
Pachacutek schickt Rumi-Ñahui, einen andern Statthalter, aus, um die abtrünnige Provinz wieder zu unterwerfen.
Dieser gerät in einen Hinterhalt, verliert dabei sein Heer und kann nur mit letzter Not sein eigenes Leben retten.

3. Akt (10 Jahre später):
Das zehnjähriges Mädchen Ima Sumak beklagt sein Leben, das es hinter den hohen Mauern des Hauses der Sonnenjungfrauen fristet.
Aus dem Gespräch einer Matrone mit einer Sonnenjungfrau geht hervor, dass es ein Geheimnis um den Ort gibt.
Ollantas Diener spioniert indessen in Kusko und findet heraus, dass der alte Inka gestorben und sein Sohn ihm nachgefolgt ist.
Rumi-Ñahui, der seine Niederlage gegen Ollanta noch immer nicht verkraftet hat, bekommt vom neuen Inka die Chance, sich zu rehabilitieren. Um Ollanta zu besiegen, ersinnt er eine List: Er verletzt sich selbst und gibt vor, vom Inka verstoßen worden zu sein, woraufhin Ollanta ihn in sein Lager aufnimmt.
Inzwischen bringt Ima Sumak eine Sonnenjungfrau dazu, ihr das Geheimnis des Hauses zu offenbaren: In der Nacht schleichen die beiden in den Kerker, in dem Cusi Koyllur seit zehn Jahren eingesperrt ist. Diese erkennt in Ima Sumak ihre und Ollantas Tochter, die ihr weggenommen worden war.

4. Akt:
Der Inka fragt den Oberpriester nach dem Verbleib Rumi-Ñahuis, als ein Bote die Nachricht vom Sieg über Ollanta bringt: Rumi-Ñahui hat seine Leute rund um Ollantaitambo versteckt und Ollanta zu einem ausschweifenden Sonnwendfest überredet. Als alle Männer betrunken waren, ließ Rumin-Ñahui seine Leute in das Lager ein.
In der nächsten Szene kommt der Sieger mit einem Tross Gefangener nach Kusko. Darunter: Ollanta.
Der junge Inka Tupak Yupanqui möchte Antisuyu versöhnen und Ollanta für sich gewinnen. Er schenkt deshalb den Gefangenen die Freiheit und macht Ollanta zu seinem Stellvertreter.
Ein Tumult am Eingang zum Palast stellt sich als Ima Sumak heraus, die aus dem Haus der Sonnenjungfrauen geflüchtet ist und nun Inka um Hilfe für ihre Mutter bittet.
Als der Inka und Ollanta dem Mädchen in den Kerker im Haus der Sonnenjungfrauen folgen, finden der Inka seine Schwester und Ollanta seine verlorene Geliebte wieder.

Rezeptionsgeschichte

Die erste gedruckte Version des Stoffes publizierte José Manuel Palacios auf Spanisch im Jahr 1837 in Kusko in der Zeitschrift "Museo erudito". Sie trug den Titel Tradición de la rebelión de Ollantay, y acto heróico de fidelidad de Rumi-Ñahui, ambos generales del tiempo de los Incas ("Überlieferung der Rebellion Ollantays und des heldenhaften Aktes der Treue Rumi-Ñahuis, beide Generäle zur Zeit der Inkas"). Der Text war in Prosa verfasst.

Es wird heute angenommen (Raúl Porras Barrenechea et al), dass nicht nur dieser Text von Palacios, sondern auch ein Großteil der im weiteren Verlauf der Zeit aufgetauchten Manuskripte und Papiere auf eine einzige verschriftlichte Version des Schauspiels zurückzuführen sind, nämlich auf die Handschrift aus dem Nachlass des 1816 verstorbenen Jesuitenpaters Antonio Valdez, Pfarrer von Sicuani.


Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts tauchten rasch hintereinander verschiedene Übersetzungen des Textes auf, die unterschiedliche Manuskripte als ihren Ursprung nannten:

  • Eine Manuskript-Abschrift aus der Bibliothek des Klosters Santo Domingo in Kusko gelangte über den Kontakt zu Johann Moritz Rugendas, einen Maler und Lateinamerikaliebhaber aus München, in die Hände von Johann Jacob von Tschudi in Wien. Dieser war zu diesem Zeitpunkt mit der Erstellung einer Grammatik des Quechua beschäftigt und veröffentlichte den Text in seiner Originalsprache im Anhang der Grammatik im Jahr 1853 unter dem Titel Ollanta oder die Strenge eines Vaters und die Grossmuth eines Königs (Tschudi, Johann Jacob von: Die Kechua-Sprache; Wien, 1853).
  • José Sebastian Barranca lieferte 1868 die erste spanische Version des Dramas. Er legte dieser Übersetzung den von Tschudi in seiner Quechua-Grammatik veröffentlichten Text zugrunde und nannte sie ebenso Ollanta, o sea la severidad de un padre y la clemencia de un rey.
  • Ein weiteres Manuskript wurde 1871 vom Briten Clements Robert Markham übersetzt Ollanta. An ancient ynca drama. Translated from the original quichua. Markham gab als Herkunft eine von ihm selbst angefertigte Kopie der Abschrift Pater Justinianis des von Pater Valdez niedergeschriebenen Textes des Ollanta-Dramas an.
  • 1872 erschien in Kusko ein Buch zur Quechua-Grammatik von José Fernández Nodal7, in dessen Anhang sich eine weitere Version des Ollanta-Dramas befand, die zwei Jahre später monografisch auf Quechua und Spanisch unter dem Titel Los vínculos de Ollanta y Cusi-Kcuyllor, ó el rigor de un padre y magnanimidad de un monarca. Drama en Quechua ("Die Verbindung von Ollanta und Cusi Kcuyllor, oder die Strenge eines Vaters und die Großherzigkeit eines Monarchen") erschien. An den Quechua-Sprachkenntnissen Nodals sowie an den von ihm vorgenommenen Veränderungen des Dramas gibt es bis heute heftige Kritik.
  • Die erste deutsche Übersetzung fertigte Tschudi 1875 an. Er hielt sich dabei allerdings nicht mehr ausschließlich an die von ihm 1853 publizierte Quelle, sondern versuchte den Text an unklaren und unleserlichen Stellen zu verbessern. Er orientierte sich bei dieser Übersetzung an seiner eigenen Vorlage, an der von Markham abgeschriebenen Kopie, an einem sogenannten "bolivianischen Manuskript" (eine weitere, aber unvollständige, in Arequipa von Tschudi erworbene Ausgabe des Dramas) und an der Version von Nodal.
  • Auf Tschudis Wunsch hin bearbeite Albrecht Wickenburg 1876 diese Übersetzung metrisch, um dem Drama "die poetische Farbe des Originals wenigstens annähernd wiederzugeben" (Wickenburg, Albrecht [Graf]: Ollanta. Peruanisches Original-Drama aus der Inca-Zeit; Wien 1876).
  • 1876 erschien das Schauspiel auch in Lima in Versen. Diese weitere spanische Übersetzung und ihre Bearbeitung erfolgten durch den Dichter Constantino Carrasco.
  • 1878 veröffentlichte Gavino Pacheco Zegarra eine französische Übersetzung des Stückes. Den Quechua-Text ließ er in den Buchstaben des von ihm entwickelten Quechua-Alphabets drucken. Die Grundlage seiner Übersetzung bildete ein Manuskript, das er von seinem Großonkel Pedro Zegarra, einem bekannten Quechua-Linguisten, geerbt hatte. Er zog jedoch, eigenen Aussagen zufolge, bei der Übersetzung immer wieder den Text Tschudis von 1853 heran, den er für den älteren und korrekteren hielt.

Weitere Quellen oder Manuskripte sind nicht mehr aufgetaucht.
1890-92 verlegte Brockhaus das mehrbändige Werk Die einheimischen Sprachen Perus, verfasst von Ernst Wilhelm Middendorf. Im dritten Band widmete dieser sich dem Ollanta-Drama und seiner neuen deutschen Übersetzung. Als die beiden wichtigsten und authentischsten Quellen betrachtete auch er die Quechua-Abschriften von Tschudi aus dem Jahr 1853 und von Markham aus dem Jahr 1871.
In der Folge wurden vor allem im lateinamerikanischen Raum immer wieder neue Übersetzungen und Bearbeitungen des Dramas vorgelegt, wie etwa die von Ricardo Rojas 1939 in Argentinien unter dem Titel Ollantay: tragedia de los Andes veröffentlichte Version.
Im deutschsprachigen Raum wurde 1983 im Anhang einer Publikation zum Thema "Theater als Waffe im Klassenkampf Lateinamerikas" die Übersetzung Middendorfs des Ollanta-Dramas abgedruckt (Blanco, Ricardo: Von Apu Ollantay bis Brecht; Berlin, 1983).

Weiterführende Links

  • Apu Ollantay Englische Übersetzung von Clements R. Markham
  • Ollanta Spanische Übersetzung von Ricardo Rojas


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